Traurige Geschichte, aber war
Wir zogen um. Genauer gesagt in das dümmste Kaff, dass es je gegeben hat.
Prettelshofen...
Okey, mein Zimmer war größer, aber das machte es auch nicht besser.
Ich hatte drei Tage schulfrei bekommen, doch als ich Montag in die Schule
kam, erwartete mich eine böse Überraschung. Ich ging ins Sekretariat um mir
eine neue Busfahrkarte zu holen, doch Frau Baumgartner sagte, ich müsse ab
morgen nach Meitingen gehen, da Prettelshofen in das Meitinger Gebiet fallen
würde. Es schockte mich in diesem Moment total. Nach Meitingen ging dieser
Junge, der mich vor ein paar Monaten abblitzen ließ. Damals wog ich noch um die
100 Kilo. Das war auch der Grund: Er liebte meinen Charakter, aber nicht meinen
Körper. Er kam damit nicht klar und nach einigen Sauftouren machte mir seine
beste Freundin klar, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben wolle, weil ich
ihm zu ,,fett“ sei. Das alles nun war ein halbes Jahr her. Heftig...
Ich hatte durch den Umzug und den ganzen Stress schonwieder abgenommen. Ich
wog jetzt 52 Kilo. Nach diesem schrecklichen Tag saß ich mittags an unserem
großen Esstisch. Für meine Familie gab es Schnitzel mit Kartoffelsalat. Nur ich
aß einen ganz normalen Salat mit Putenstreifen. Wieso?
Ich war vor 4 Monaten wegen Magenproblemen ins Krankenhaus eingeliefert
worden. Es wurde festgestellt, dass mein Magen das Fett in der Nahrung nicht
mehr verwerten kann. Ich bekam schmerzstillende Medikamente und durfte nach 4
Tagen aus dem Krankenhaus raus. Seit diesem Problem habe ich Angst, dass mir
das Selbe noch einmal passieren könnte und esse seitdem nur noch das Nötigste.
Als ich meiner Mam erzählte, dass ich wieder eine neue Hose brauche, stöhnte
sie. Wir mussten jetzt beinahe jede zweite Woche eine neue Hose kaufen. Es war
lästig
Nach der Shoppigtour, auf der ich drei Jeans und 2 Pullover ergattert habe,
tat ich zwei Stücke Holz in meinen Ofen, weil ich fror und ich im Dachboden
mein Zimmer hatte, wo es keine Heizung gab. Ich hatte ein sehr großes Zimmer,
beige gestrichene Schrägwände, lila Teppichboden, ein großes Bett, einen
riesengroßen Kleiderschrank, meinen TV-Tisch und meinem Schreibtisch mit einem
großen, gemütlichen Sessel.
Alle sagen zu mir, ich hätte mich verändert. Klar, habe ich mich verändert.
Ich bin durch die ganze Sache mit Florian reifer geworden und hatte
mittlerweile 42 Kilo abgenommen. Nicht, dass ich es darauf angelegt hätte, aber
es war ziemlich krass, sich die ganzen Vorher-Nachher-Bilder anzuschauen. Es
ging so schnell wegen meinem Magen. Aber viel mehr verlor ich durch
Liebeskummer...
Ich machte mir eine Tasse Tee und versuchte mich auf das Buch zu
konzentrieren, was ich gerade las. ,,PS. Ich liebe dich“. Es klappte nicht. Ich musste die ganze Zeit an den
Höllentrip damals mit Florian denken. Es war nur gut, dass sie mich so nicht
mehr erkennen. Sie sagten, ich wäre es nicht wert, mit ihm zusammen zu sein.
Damals brach eine Welt für mich zusammen.
Ich legte mein Buch weg, trank meinen Tee aus und legte mir die Klamotten
für Morgen heraus: einen taupé-farbenen Long Pulli, mein Lieblingsdreiecktuch
und meine Jeggins.
Der nächste Morgen war sehr ungewohnt. Ich musste, um den Bus nicht zu
verpassen, eine halbe Stunde früher aufstehen. Die Busfahrt verlief ganz
normal, auch wenn seine ganzen Freunde im Bus saßen, die mich aber zum Glück
nicht mehr erkannten. Als ich in das
Klassenzimmer der 9m trat und vorgestellt wurde, fiel mir in der hintersten
Reihe ein Mädchen auf, das ich kannte. Es war Jenna, Florians Ex-Freundin. Sie
bekam tellergroße Augen, als die Lehrerin, Frau Hurler, meinen Namen nannte.
Sie war in der Zeit, in der ich noch Kontakt mit Florian hatte, seine Freundin
gewesen und konnte mich noch nie leiden.
Aber das war mir egal. Ich wollte wieder nach Wertingen zu meinen Freunden.
In der Pause aber passierte das, was alles verändern sollte.
Ich ging hinaus auf den Pausenhof und stellte mich an die Wand der
Turnhalle. Plötzlich sah ich Ihn in einer großen Gruppe von Jungs. Er linste
immer wieder zu mir. Es hatte sich also schon herumgesprochen, dass ich auf
dieser Schule war. Aber ich hörte die ganze Zeit Ausdrücke wie ,,Schlampe“ ,
aber ich wusste nicht, dass sie an mich gerichtet waren bis auf einmal Jenna
vor mir stand und fragte:,,Was laberst du für Scheiße??? Nur wegen DIR hat Flo
damals mit mir Schluss gemacht! Das wird dir noch leidtun!!!
Sie schlug mich. Überall hin. Bauch, Kopf, Arme und Beine. Ich konnte mich
einfach nicht wehren. Dann wurde ich bewusstlos.
Ich wachte im Krankenzimmer der Schule auf. Mir war in diesem Moment noch
nicht bewusst, was passiert war, doch ich wusste, dass es nicht gut gewesen
war. Ich lag in eine Wolldecke gehüllt auf der Liege. Ein nasser Waschlappen
lag auf meinem Kopf. Mir war ziemlich schlecht und ich hatte Kopfschmerzen. ,,Kein
Wunder, wenn sie so auf dich einschlägt“, dachte ich.
Plötzlich bewegte sich etwas neben mir.
,,Wie geht’s dir?“, fragte eine vertraute Stimmte. Ich bewegte meinen Kopf
nach rechts und sah ihn. Er hatte sich auch total verändert. Statt Baggy trug
er nun Röhrenjeans. Und statt einer Cap trug er auf seinem Kopf eine
königsblaue Mütze. Blau war schon immer seine Lieblingsfarbe gewesen. Diese
Farbe stand ihm sehr gut...
,,Mein Kopf...“, sagte ich und schlug die Hände vor meinen Kopf. ,,Kommt,
wir müssen los, der Bus kommt gleich. Er half mir beim Aufstehen und wir gingen
zum Schulausgang. Ich fragte nicht einmal, wieso er sich so rührend u mich
kümmerte. Doch als wir im Bus saßen, platze es aus ihm heraus: ,,Es tut mir so
leid, wie ich damals mit dir umgegangen bin. Es war so kindisch von mir. Kurz
nachdem der Kontakt mit dir vorbei war, fiel mir erst auf, wie toll du wirklich
bist. Meine alten Freunde sind für mich die Letzten. Ich bin jetzt anders. Ich
verarsche keine Mädchen mehr. Es war der größte Fehler meines Lebens. Ich weiß
echt nicht, wie ich das wieder gutmachen kann.“
Ich wusste nicht wieso, aber ich fühle mich so, als ob ich ihn schon
jahrelang kennen würde. Es war heftig, wie vertraut wir miteinander umgingen
und schon bald kuschelte ich mich an seine Schulter und schlief ein.
Er weckte mich, als wir in Wertingen ankamen. Er fragte, ob ich irgendwas
Besonderes haben wolle. Ich wollte einen Latte Macciato. Er ging und kam mit
einem großen Latte Macciato mit Karamellsirup. Lecker...
Er hatte vorhin im Bus gesagt, dass ich jetzt erst einmal zu ihm gehen
sollte. Ich fragte ihn. Er antwortete: "So kannst du nicht nachhause gehen."
Ich wusste nicht, was er damit meinte aber ich wusste, er meint es ernst. "Du
kommst jetzt erst mal mit und bei mir kannst du deine Mam anrufen und sagen,
dass du heute bei mir bist."
Als wir bei ihm ankamen, war seine Mam nicht da. Er hielt mir das Telefon
hin.
"Hallo Mama, du ich bin von heute bis morgen..."
Er unterbrach mich und flüsterte: "Nein, du bleibst das ganze
Wochenende!"
"Okey, mach dir keine Sorgen, ich bin das ganze Wochende bei einem
Kumpel. Ich ruf an, wenn mich Papa holen soll."
Alles ging gut, meine Mam hat nichts dazu gesagt, aber sie wollte wisse,
bei wem ich war.
War es das, was ich wollte? Ich sollte von ihm aus das ganze Wochende bei
ihm bleiben. Ohne Klamotten. Nur, mit der Versicherung, dass ich wusste, dass
er mich liebt.
Ich konnte es kaum glauben, dass ich bei ihm saß. Ich hatte immer nur davon
geträumt, bei oder neben ihm zu sitzen.
Wir redeten stundenlang über Gott und die Welt.
Plötzlich war es 23 Uhr. Er sagte, er wolle noch schnell runter gehen, eine
rauchen.
Ich bekam Angst und sagte: "Hast du vllt was für die Nacht für
mich..?"
"Wenn ich wieder zurück bin, gebe ich dir was, versprochen.",
sagte er daraufhin und lächelte mich an.
Nachdem er runtergegangen war, setze ich mich auf seine Couch und schrieb
meiner besten Freundin eine SMS:
Marie, ich komme erst Sonntagabend zurück.
Frag nicht wo ich bin :) XOXO, Marcie.
Er kam mit einer Flasche Sprite, einem großen Kissen und einer Wolldecke
zurück.
"Oh Mist, ich hab die Gläser vergessen", bedauerte er. "Macht
doch nichts", antwortete ich mit einem Lächeln auf den Lippen.
Er nahm einen Schluck und gab mir die Flache. Nachdem Ich ein paar Schlücke
genommen hatte, war mir bewusst wo ich war. Ich war allein mit dem Jungen
meiner Träume.
Ich weinte Freudentränen weil ich es einfach nicht glauben konnte. Er
wollte mich trösten und nahm mich in den Arm. Doch ich zog sein Gesicht an
meines und küsste ihn. Es schmeckte prickelnd nach Zitrone.
"Flo, bist du da?", rief eine Stimme von unten. Er stand auf und
ging hinunter, um zu schauen, wer ihn rief.
Es war seine Mutter. Er erklärte ihr, wer ich war, was passiert war und wie
lang ich bleiben würde. Sie akzeptierte es.
Er kam zurück und wir fingen an zu knutschen. Ich fühle mich ganz
schwerelos, wie als ob ich fliegen würde oder einen Joint geraucht hatte.
"Was macht ihr denn da?", schnatterte jemand. Es war seine kleine
Schwester, die urplötzlich im Zimmer stand.
"Ich erkläre Marcie gerade, wie man englische Wörter richtig
ausspricht", log er und versuchte, nicht zu grinsen.
Sie verschwand und er ging zum Schrank und warf mir eine seiner zu weit
gewordenen Boxershorts zu.
Sie passten gerade so. Obenrum hatte ich nur das Top an, das ich unter
meinem Pulli anhatte.
Er setze sich neben mich aufs Bett und fing an, mich
zu kitzeln.
Ich lachte, doch sehr lächelte mich nur an. Er nahm mich in den Arm und wir
schliefen zusammengekuschelt ein. Ich träumte davon, zu fliegen. Hand in Hand
mit Ihm.
Am nächsten Morgen wusste ich nicht, wo ich war. Ich war erschrocken, als Florian
neben mir lag und anfing zu lachen, da ich plötzlich aufschrak weil seine
kleine Schwester im Zimmer stand und ihn gefragt hat, ob wir runter kommen
wollen weil es Frühstück gäbe.
Seine Mutter machte mir oft Komplimente, wie gut ich aussehen würde und was
für einen wundervollen Charakter ich hätte.
Er lächelte nur, doch als seine kleine Schwester ihren Kababecher umstoß,
find er lauthals zu lachen an.
Nach dem Frühstück, ließ er mich von mir erzählen. Er wollte alles über
mich wissen. Es war wieder, wie in einem Traum, der nie enden würde.
Abends saßen wir nebeneinander gekuschelt auf seiner Couch und schauten
Breaking Dawn an, obwohl ich Vampirfilme hasste. Mich berührte besonders eine
Stelle.
Es war die Stelle an dem Bellas leben an ihr vorbei zieht. Ich sah ihn an
und sagte: "So wird es niemals werden." Er nahm mein Gesicht und sah
mich lange an. Ich packte es nicht, wie er mich ansah und küsste ihn. Es war
mir nun egal wo ich war und bei wem ich hier saß.
Er nahm mich an der Hüfte und zog mich auf sein Bett. Er nahm mich in den
Arm und ich merkte, wie wohl ich mich dort fühlte. Unsere Zungen spielten
miteinander. Dann irgendwann mal küsste er mich am Hals. Ich genoss es und
spürte, dass ich ihn wollte. Er küsste mich wieder normal und begann mich
auszuziehen. Aber im nächsten Moment überlegte ich, ob ich das wirklich wollte.
Doch im nächsten Moment war ich mir sicher. Ich zog ihn ebenfalls aus.
Ich fragte: "Hast du Kondome?" Er antwortete darauf: "Ja, in
der Schublade."
Ich holte eines heraus und zog es ihm vorsichtig über. Er drang vorsichtig in
mich ein und ich genoss es. Es tat kein bisschen weh, so wie ich es mir
vorgestellt hatte. Er bewegte sich ganz langsam rauf und runter bis er kam. Als
er gekommen war, besorgte er es mir mit der Hand und es fühlte sich gut
an.
Danach legte ich mich auf seinen Arm.
"War es dein erstes Mal?", fragte Jason vorsichtig. Ich nickte
und wurde immer müder.
"Wir sollten schlafen", sagte er und gähnte. Wir schliefen Arm in
Arm ein.
Am nächsten Morgen ging es mir noch gut. Es klingt vielleicht komisch, doch
wir verbrachten den ganzen Vormittag um zu zocken. Call of Duty: MW3. Doch am
Nachmittag bekam ich Kopfschmerzen und lies mich von meinem Dad abholen. Meine
Eltern waren total besorgt, da ich ziemlich blass war und sofort in meinem
Zimmer verschwand. Plötzlich piepte mein Handy. Eine SMS von Jason:
Hallo Mein Engel (:
Das Wochenende mit dir war wunderschön. Ich freu mich schon dich Montag
wieder zusehen :))
Kuss, Jason
Ein Lächeln zog über mein Gesicht, trotz den Schmerzen. Ich konnte es nicht
glauben. Wir waren zusammen, ich war sein Engel. Ich packte meine Schulsachen
zusammen und legte mich schlafen, obwohl es erst am späten Nachmittag war.
Montagmorgen verlief eigentlich ganz normal. Duschen, Haare glätten, Zähne
putzen, Anziehen, Schminken, Frühstücken und dann zur Bushaltestelle gehen.
Zuerst nach Wertingen und dann nach Meitingen zur Schule. Er war nicht im Bus...
Er wartete am Eingang der Schule auf mich. Er sah mir an, dass es mir nicht
gut ging. Ich wollte es ihm gerade erzählen, doch da klingelte es und wir
mussten ins Klassenzimmer. Marina, das Mädchen neben dem ich saß, fragte was
los sei. Ich antwortete ihr, dass es mir seit gestern nicht gut ginge und dass
mir zurzeit ziemlich komisch war. Und insgeheim hoffte ich, dass es nicht von
meinem ersten Mal mit Jason kam.
Als es zur Pause klingelte nahm mich Jason an die Hand und ging mit mir zum
Eingang der Turnhalle. Er küsste mich und sagte: "Ich sehe doch, dass es
meinem Mädchen nicht gut geht... Wenn es dir schlecht geht, dann geht es mir
auch schlecht."
"Ich weiß selber nicht, was mit mir los ist...", antwortete ich,
da ich es wirklich nicht wusste. Es war wirklich seltsam. Ich bot ihm an,
nachmittags zu mir nach Prettelshofen zu kommen. Er nahm es mit Freude an und
küsste mich auf die Stirn. Den restlichen Unterricht fing ich öfters zu weinen
an. Einfach so, ohne Grund.
Nachmittags schleppte mich meine Mum zum Arzt. Seine Diagnose: Untergewicht
und Depressionen. Obwohl ich nichts dafür konnte, schockte es mich und meine
Mum. Er sagte: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Depressionen durch
den Umzug und das gleichzeitige Reißen aus dem Vertrauen Umfeld stammt."
Er empfahl mir, mich die nächsten Tage krankschreiben zulassen und mich zuhause
richtig auszuschlafen. Und mich mit meinen Freunden zu treffen.
Als Jason diese Neuigkeiten hörte, nahm er mich in den Arm und sagte:
"Alles wird gut, Yussi."
"Jason? Kann ich dir was erzählen? Es mag sich jetzt vielleicht
kindisch anhören, aber ich wünsche mir seid ich klein bin ein Baby... Nicht das
ich das jetzt sofort will aber..." Er unterbrach mich: "Schatz, ich
verstehe dich. Ich kann es mir gut vorstellen mit dir und einem Baby zusammen
zu leben. Aber ohne Schulabschluss wird es schwer, danach einen
Ausbildungsplatz zu finden..."
"Ja", sagte ich darauf, "ich weiß das. Ich wollte das dir
nur einmal sagen... Irgendwie habe ich das nicht einmal meiner besten Freundin
damals in Wertingen erzählt..." Ich machte uns daraufhin einen Tee und
holte für mich eine Decke, da ich kein Holz mehr im Dachboden hatte.
Einige Zeit verging und dann waren es nur noch 6 Wochen bis zu meinem
Abschluss an der Schule. Mit Quali und M10. Mir ging es an diesem Morgen
irgendwie komisch. Ich musste mich direkt nach dem Aufstehen übergeben und
hatte seit einem halben Monat meine Periode nicht bekommen. Ich erzählte es
Jason nicht, da ich Angst vor seiner Reaktion hatte.
Doch er merkte, dass irgendwas mit mir los war. Ich sagte ihm, dass es mir
nicht gut ginge und dass er sich keine Sorgen machen braucht. Daheim angekommen,
schmiss ich meine Schultasche in die Ecke und klappte meinen Laptop auf, ging
auf Google und gab ein: Erste Schwangerschaftsanzeichen:
Übelkeit, morgendliches Erbrechen, ausbleiben der Periode,
Stimmungsschwankungen und seltsame Essensgelüste. Ich dachte an mein erstes Mal
mit Jason. Es war also doch passiert: Unser Kondom hatte einen kleinen Riss.
Ich war geschockt...
Als ich das gelesen hatte, fuhr ich mit dem Bus nach Wertingen und kaufte
bei der Apotheke einen Schwangerschaftstest. "Am besten morgens nach dem
Aufstehen anwenden, da ist der Test am effektivsten." Okay, also noch
einen halben Tag Ungewissheit. Facebook besuchte ich an diesem Tag nur 10
Minuten, da ich nicht von jedem ausgefragt werden wollte, was mit mir los ist.
Abends wieder das gleiche Ritual: Anziehsachen rauslegen, Zimmer aufräumen und
einen Tee trinken. Danach ging ich ins Bett und hatte irgendwie vor dem
Ergebnis des Testes Angst. Und vor der Reaktion von Jason. Bevor ich schlafen
ging, stellte ich meinen Wecker 10 Minuten früher als sonst. Ich wollte nicht,
dass mich jemand bei dieser "Aktion" erwischt.
Nach einer halb schlaflosen Nacht wachte ich verstrubbelt auf und ging mit
dem Test ins Bad. "Testspitze in den Urinstrahl halten und 5 Minuten
warten. Zeigt die Ergebnisfläche einen Strich ein, ist der Test negativ (=nicht
schwanger), zeigt die Fläche zwei Striche an, dann ist der Test positiv
(=schwanger)." So stand es wortwörtlich auf der Verpackung. Gesagt, getan.
Nach 2 Minuten zeigte er einen Strich an und nach fünf Minuten immer noch
einen. "Okay^^." dachte ich mir und putze mir die Zähne. Ich bekam
einen Schock als ich nach dem Zähneputzen auf den Test sah. Er zeigte
tatsächlich zwei Striche an. Für diesen Morgen war mir der Appetit vergangen.
Trotzdem nahm ich einen Erdnussriegel und eine Banane mit zur Schule.
Jason saß zwar im Bus, doch ich traute mich nicht mit ihm zu reden. Als es
zur Pause klingelte, rannte ich zur Toilette, da mir schonwieder übel war und
ich mich übergeben musste. Als ich runter spülen wollte, kamen bei meinem Glück
gerade die Schulschlampen herein. Nicht das noch. Mich kotze im Moment alles
an. Die Schule, Ich selber und diese dummen Mädchen, die denken sie wären etwas
Besseres nur weil sie jeden Beschimpfen und jeden hatten. Egal.
Ich spülte herunter und ging in den Vorraum, in dem die Waschbecken standen
um mir die Hände zu waschen. Sie schauten mich komisch an aber sagten nichts.
Doch als ich die Toilette verließ, hörte ich ein lautes Lachen... Man sah es
mir also schon deutlich an, wie es mir im Moment ging... Na toll.
Es war Freitag und Jason kam am Nachmittag zu mir, um bei mir zu
übernachten. Als er sich es auf meinem Bett gemütlich gemacht hatte und ich auf
meinem großen Schreibtischsessel saß, war ich ziemlich nervös. Ich wusste ja
nicht, wie er reagieren würde. Ich versuchte es.
"Schatz, ich muss dir was sagen..." "Was denn, mein
Engel?"
"Ich glaube, ich bin schwanger..." Doch Jason verließ den Raum,
ohne ein Wort zu sagen. Ich fiel auf den Boden und fing an zu weinen, bis er
wieder unerwartet im Raum stand. Ich wischte mir meine Tränen weg und versuchte
stark zu bleiben, doch es fiel mir schwer.
Er stand vor mir, mit einer Rose und sagte: "Schatz, wir bekommen das
hin. Und mit deinen Eltern reden wir gemeinsam. Schatz, ich finde es toll. Ich
war damals leicht irritiert, als du mir gestanden hast, dass du schon immer ein
Baby willst. Aber jetzt da du die Mutter meines Kindes wirst, verstehe dich
jetzt. Ich möchte dich fragen, ob du für immer mit mir zusammen sein willst.
Erst dann ist unser Glück perfekt."
Weinend fiel ich ihm in den Arm.
Während des Abends redeten wir über das ganze Thema, wie es weiterginge und
was wir demnächst tun würden.
An diesem chaotischen Abend verdrücke ich mit Jason eine Packung
Vanilleeiscreme. Und selber unendlich viele Gummibärchen. Jason hielt mich die
ganze Zeit fest im Arm. Als wir nach dem vielem Reden ins Bett gingen, nahm er
meine Hände fest in seine und schaute mich an. Ich sah Tränen in seinen Augen.
"Scheiße, ich werde Vater...", sagte er und umarmte mich. Er hielt
mich die ganze Nacht fest umschlossen. Er wollte mich nicht verlieren...
Doch sein Glück sollte nicht lange halten. Der vorletzte Schultag verlief
bis zum Schulschluss ganz normal. Jason war krank. Ich wollte zum Bus gehen,
aber ich merkte, dass mir schwindelig wurde. Trotzdem betrat ich den Bus. Der
Busfahrer macht einen ziemlich schläfrigen Eindruck aber das kümmerte mich im
Moment nicht. Ich ging in die vorletzte Reihe des Busses und setze mich, kramte
mein Handy und meine Kopfhörer aus meiner Tasche und hörte Musik. Es dauerte
ewig lang, bis der Bus wegfuhr. Hinter mir war eine alte Dame eingestiegen weil
sie ihr Busticket bezahlen wollte und ihre Geldbörse in der großen Tasche, die
sie bei sich trug, nicht fand. Wir waren schon eine Station vor Prettelshofen
als ich ein lautes Schnarchen hörte und mir auffiel, dass der Busfahrer
eingeschlafen war. Plötzlich hörte ich ein lautes Krachen, da der Bus gegen ein
ihm entgegenkommendes Auto gefahren war. Mich schlug es auf die Seite und der Bus
fuhr in den Straßengraben. Ich war mittlerweile im 3. Monat schwanger und hatte
Angst. Ich wurde bewusstlos...
Nach circa einer Stunde wachte ich auf und hatte starke Bauchschmerzen. Ich
zerschlug mit dem Fensteröffner die Türe und klettere hinaus. Mein Handy hatte
meinen Sturz zum Glück überlebt und ich rief den Krankenwagen, die Feuerwehr
und meine Eltern an. Ich setzte mich in sicherer Entfernung ins Gras und wurde
nach ein paar Minuten bewusstlos. Ich sah noch meine Eltern, die Jason
mitgebracht haben und merkte, wie mich jemand aufhob und zum Krankenwagen
brachte. "Scheiße, sie muss durchkommen!", hörte ich oft Jason sagen.
Ich wachte im Krankenhaus auf und blickte gleich in das besorgte Gesicht
von Jason. Es war dunkel draußen und ich schätze die Uhrzeit auf ein, zwei Uhr
nachts. Jason schlug die Hände vor sein Gesicht und schluchzte "Schatz...
unser Baby..." Dann bekam ich einen Weinkrampf und eine Krankenschwester
musste kommen und mir eine Beruhigungsspritze setzen. Ich musste noch 2 Tage
zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben, da ich bei dem Sturz auf eine Kante
eines Sitzes gefallen war und einen riesengroßen blauen Fleck auf dem Bauch
hatte, der ziemlich wehtat. Mir wurde erklärt, dass ich eine Fehlgeburt durch
den Sturz auf meinen Bauch ausgelöst wurde. Es war ein Mädchen...
Als mich mein Vater am Donnerstag
abholte, sah er mich ziemlich besorgt an. Auf der Fahrt nach Hause sprachen wir
nicht viel, nur darüber, dass er morgen mein Abschlusszeugnis abholen werde.
Zuhause angekommen ging ich sofort in mein Zimmer und wurde nach einer halben
Stunde von meiner Mutter gerufen. Vor ihr lag ein Blatt Papier. Ich dachte:
"Nein, das kann nicht der Brief vom Krankenhaus sein...“ Sie sagte, dass
jetzt schwere Zeiten über uns einbrechen werden. Ich schlug die Hände zusammen
und fing an zu weinen. Papa wollte mich beruhigen doch ich rannte so schnell es
geht in mein Zimmer und sperrte die Türe zu. Am nächsten Morgen kam ich total
verschlafen in die Küche. Sie wollten mit mir reden, aber ich konnte einfach nicht
zuhören.
Erst mein Baby und dann das. Ich konnte nicht mehr.
An diesem Tag wollte ich nach der Schule nicht nach Hause. Ich blieb bis
zum letzten Bus in Meitingen. Doch als ich an die Bushaltestelle kam, fiel mir
ein großer Junge, welcher eine Jogginghose und eine Kapuzenjacke anhatte, auf.
Ich setzte mich auf die Wartebank. Er kam und sagte: "Du siehst traurig
aus. Ich hab etwas, was sie dich für ein paar Stunden vergessen lässt. Ich
schenk es dir.“ Und er legte mir die zirka 5 x 5 große Plastiktüte in die
Hände. Er verschwand und ich steckte sie ganz schnell in meinen Rucksack.
Zuhause angekommen ging ich sofort auf mein Zimmer. Mich interessierten die
Stimmen aus dem Wohnzimmer nicht.
Rucksack aufs Bett geschmissen, Jogginghose angezogen, Rollladen herunter
und meine Lampe angemacht. So sah dieser Abend aus. Doch er sollte noch besser
werden.
Als ich den Laptop aufklappte, fiel mir die kleine Tüte wieder ein, welche
der seltsame Junge mir in die Hände gelegt hatte. Mein Vater rief meinen Namen,
doch ich schrie: "Lasst mich in Ruhe!“ Meine Mutter, die unten im
Wohnzimmer saß, fing an zu weinen. Irgendwie tat sie mir schon Leid... Doch ich
wollte nichts mehr wissen.
Ich saß auf meinem Bett und dachte nach. Ich erinnerte mich an den Tag, an
dem ein paar Leute aus meiner Klasse, mit denen ich befreundet war, sich in den
Park in die hinterste Ecke saßen und sich einen Joint drehten. Ich stand nur
daneben und schaute zu, wie sich meine Freunde zudröhnten. Ich wollte nicht.
Ich war noch nicht so weit. Doch in der letzten Zeit muss ich dafür Reif
geworden sein, denn ich reagierte lockerer, wenn meine Freunde sagten, ich
solle mit in den Park gehen. Das bewundernswerteste war, dass ich mich an jede
Kleinigkeit vom letzten Besuch im Park erinnern kann.
Also setzte ich mich auf und suchte in meinem Rucksack nach diesem kleinen
Tütchen.
"Fuck... Ich hab kein Papier...“
Doch plötzlich fiel mir ein, dass ein sehr guter Kumpel von mir in
Prettelshofen wohnt. Ich holte mein Handy und schickte ihm eine SMS:
Hey Tobi. Hast du was dagegen, wenn ich vorbeikomme? Ich bring was mit^^
Lg Yussi“
Nach circa einer Minute kam die folgende Antwort:
Stepp her, ich hab den ganzen Abend Zeit^^
Gesagt, getan.
Ich packte das Gras in eine Decke und tat sie in meine Umhängetasche. Ich ging
ohne ein Wort zu sagen aus dem Haus. Vielleicht würden sie mich suchen. Aber
das war mir wie alles gerade scheiß egal.
Tobi wartete schon auf mich. Als er die Tür aufmachte, war er zuerst
verwundert, wieso ich an einem Freitagabend bei ihm vor der Tür stand. Doch
nachdem er mich umarmt hatte, erklärte ich ihm, was passiert war.
"Nein... Man, wieso hast du das nicht früher gesagt? Ich versteh dich
total... Sorry, dass ich jetzt vom Thema ablenke aber was hast du eigentlich
mitgebracht?“
"Achja. Am nächsten Tag war ich nach der Schule den ganzen Tag in
Meitingen weil ichs nicht gepackt hab... Zuerst mein Baby und dann meine Mam.
Ich saß an der Bushalte als so ein Typ auf mich zukam und sagte, ich würde
traurig aussehen. Dann hat er mir das gegeben und hat gesagt, hier das schenke
ich dir. Ich zeige ihm das Gras. "Wow, Mädchen, du weißt nicht, was für
eine gute Qualität das Dope hier hat!“
"Nö.“
"Also willst du doch...?“
"Sicher. Wenn ichs nicht wollte, wieso bin ich dann bei dir?“
"Ja, okey, ich hol kurz
was. Er ging an seinen Schrank und holte eine grüne, fast schon neongrüne Bong
heraus. Mich beeindruckte die Farbe. Doch Tobi war etwas anderes wichtig. Er
wollte wissen, ob ich schon einmal geraucht habe. "Nein, noch nicht.“ "Egal. Wir machen das
hier trotzdem. Ich erklärs dir und du machst was ich sage okay?“ "Okay,
geht klar.“
Er legte circa 1 Gramm vom Gras in
den Kopf der Bong und sagte: "Nimm das Rohr in die Hand und beug deinen
Kopf nach vorne. Siehst du das Loch in dem Rohr? Du musst deine Lippen reintun.
Ich zünde es jetzt an und du wartest bis ich aufhöre. Wenn ich aufhöre, dann
hebe ich das Schillum und du ziehst den ganzen Rauch rein okay?“
Gesagt getan. Ich zog den Rauch sein
und spürte etwas unglaublich Tolles. Ich schwebte in meiner eigenen Welt. Tobi
hatte mittlerweile Rainbow Warrior von Martin Jondo aufgelegt und mich in
meinem Trip dazu bewegt, mich auf die Couch zu legen. Ich hatte nur zwei Züge
gehabt doch ich schwebte auf einer kleinen aber wahnsinnig flauschigen Wolke.
Ich fühlte mich wahnsinnig müde, aber ich habe doch noch alles wahrgenommen.
Tobi hatte sich zu mir auf die Couch gelegt und umarmte mich.
Plötzlich bekam ich einen totalen
Lachflash weil an der Wand ein Fleck war, der komisch aussah. Tobi sah mir in
die Augen und fing danach auch an zu lachen.
Nach gefühlten 12 Stunden schlich
ich aus dem Haus und ging nach Hause. Ich schloss so leise ich konnte die Tür
auf, doch meine Eltern bemerkten trotzdem, dass ich wieder da war und passten
mich direkt vor der Türe ab.
"Wo warst du?? ", brüllten
sie als sie mich total müde sahen. "Ich war bei nem Kumpel... Macht doch
nicht gleich so nen Aufstand. ", lallte ich. Nun sagten sie nichts mehr
und schauten mir nur noch dumm hinterher als ich in mein Zimmer hoch schlurfte.
Ich hatte Glück, dass der nächste
Tag ein Samstag war. Ich schlief bis 15 Uhr. Ich hatte noch nie die Weckrufe
meiner Eltern ignoriert, aber an diesem Tag wachte ich nicht auf. Seltsam...
Das Gefühl auf einer Wolke zu
schweben hielt eine Woche. Danach wollte ich mehr...
Ich sprach Tobi direkt auf dem
Pausenhof an und sagte: "Tobi, Samstag war echt geil... Kannst du mir
vielleicht was besorgen?“
"Sicher, Kleine^^. Hast du heut
Abend sturmfrei?“
"Ja. Ich bring gleich das grüne
Monster mit okay? Bis heute Abend.“
Die nächsten Wochen verbrachte ich
fast nur bei Tobi. Meine Eltern bemerkten schon was mit mir los war, aber ich
denke, sie interessierte es einfach nicht, weil sie einfach zu viel zu tun
hatte. Doch an diesem Abend passierte etwas Schlimmes.
Ich war bei Tobi, er hatte wieder
eine sehr gute Mischung gemacht. Doch diesmal fühlte ich mich nicht wie auf
einer Wolke. Ich verkrampfte. Ich dachte, ich sterbe. Nach Tobis Aussagen war
ich leichenblass. Dann kippte ich um.
Ich wachte im Krankenhaus auf. Eine
Nadel steckte in meinem Handrücken und durch den Schlauch tropfte eine klare
Flüssigkeit in meine Ader. Ich hatte einen Schlauch in der Nase, weil ich, als
ich Bewusstlos was, nicht geatmet hatte. Als ich später aufwachte, erklärte man
mir, dass ich eine Überdosis THC hatte und deswegen einen Herzstillstand hatte.
Ich war geschockt. Das veranlasste mich, mit dem Kiffen aufzuhören.
Ein paar Monate nach diesem Vorfall
kam ich ganz happy nachhause. Florian wollte mich am Nachmittag besuchen und
ich freute mich darauf. Unsere Beziehung hatte sich in den letzten Monaten
wesentlich gefestigt. Ich gehörte zu seiner Familie und er gehörte zu meiner
Familie.
Ich fühlte mich seit langer Zeit wieder
komisch. So richtig komisch. Nachdem ich den Flur betrat, roch ich, dass meine
Mam Kartoffeln kochte. Dieser Geruch stieg mir in die Nase und mir wurde
augenblicklich schlecht. So schlecht, dass ich in unser Gästebad stürmte und
mich übergab. Meine Mam rannte so schnell es ging in das Bad und fragte, was
los sei. Ich konnte nichts sagen und fing an zu weinen. Sie schickte mich in
mein Zimmer und kam ein paar Minuten später mit Kamillentee und Zwieback.
Florian kümmerte sich an diesem
Nachmittag rührend um mich und bestand sogar darauf, morgen mit mir zum Arzt zu
gehen.
Im Wartezimmer war mir schon etwas
mulmig doch ich unterdrückte dieses Gefühl und schmiegte mich an Florians
Schulter.
"Also Justine, so wie es
aussieht, steht ihnen ein freudiges Ereignis bevor.“
Diesen Satz sagte der Arzt, bevor
ich erfuhr, dass ich wieder schwanger war :)
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