Sonntag, 18. März 2012

Story 1

Traurige Geschichte, aber war

Wir zogen um. Genauer gesagt in das dümmste Kaff, dass es je gegeben hat.
Prettelshofen...
Okey, mein Zimmer war größer, aber das machte es auch nicht besser.
Ich hatte drei Tage schulfrei bekommen, doch als ich Montag in die Schule kam, erwartete mich eine böse Überraschung. Ich ging ins Sekretariat um mir eine neue Busfahrkarte zu holen, doch Frau Baumgartner sagte, ich müsse ab morgen nach Meitingen gehen, da Prettelshofen in das Meitinger Gebiet fallen würde. Es schockte mich in diesem Moment total. Nach Meitingen ging dieser Junge, der mich vor ein paar Monaten abblitzen ließ. Damals wog ich noch um die 100 Kilo. Das war auch der Grund: Er liebte meinen Charakter, aber nicht meinen Körper. Er kam damit nicht klar und nach einigen Sauftouren machte mir seine beste Freundin klar, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben wolle, weil ich ihm zu ,,fett“ sei. Das alles nun war ein halbes Jahr her. Heftig...
Ich hatte durch den Umzug und den ganzen Stress schonwieder abgenommen. Ich wog jetzt 52 Kilo. Nach diesem schrecklichen Tag saß ich mittags an unserem großen Esstisch. Für meine Familie gab es Schnitzel mit Kartoffelsalat. Nur ich aß einen ganz normalen Salat mit Putenstreifen. Wieso?
Ich war vor 4 Monaten wegen Magenproblemen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Es wurde festgestellt, dass mein Magen das Fett in der Nahrung nicht mehr verwerten kann. Ich bekam schmerzstillende Medikamente und durfte nach 4 Tagen aus dem Krankenhaus raus. Seit diesem Problem habe ich Angst, dass mir das Selbe noch einmal passieren könnte und esse seitdem nur noch das Nötigste. Als ich meiner Mam erzählte, dass ich wieder eine neue Hose brauche, stöhnte sie. Wir mussten jetzt beinahe jede zweite Woche eine neue Hose kaufen. Es war lästig
Nach der Shoppigtour, auf der ich drei Jeans und 2 Pullover ergattert habe, tat ich zwei Stücke Holz in meinen Ofen, weil ich fror und ich im Dachboden mein Zimmer hatte, wo es keine Heizung gab. Ich hatte ein sehr großes Zimmer, beige gestrichene Schrägwände, lila Teppichboden, ein großes Bett, einen riesengroßen Kleiderschrank, meinen TV-Tisch und meinem Schreibtisch mit einem großen, gemütlichen Sessel.
Alle sagen zu mir, ich hätte mich verändert. Klar, habe ich mich verändert. Ich bin durch die ganze Sache mit Florian reifer geworden und hatte mittlerweile 42 Kilo abgenommen. Nicht, dass ich es darauf angelegt hätte, aber es war ziemlich krass, sich die ganzen Vorher-Nachher-Bilder anzuschauen. Es ging so schnell wegen meinem Magen. Aber viel mehr verlor ich durch Liebeskummer...
Ich machte mir eine Tasse Tee und versuchte mich auf das Buch zu konzentrieren, was ich gerade las. ,,PS. Ich liebe dich“. Es klappte nicht. Ich musste die ganze Zeit an den Höllentrip damals mit Florian denken. Es war nur gut, dass sie mich so nicht mehr erkennen. Sie sagten, ich wäre es nicht wert, mit ihm zusammen zu sein. Damals brach eine Welt für mich zusammen.
Ich legte mein Buch weg, trank meinen Tee aus und legte mir die Klamotten für Morgen heraus: einen taupé-farbenen Long Pulli, mein Lieblingsdreiecktuch und meine Jeggins.
Der nächste Morgen war sehr ungewohnt. Ich musste, um den Bus nicht zu verpassen, eine halbe Stunde früher aufstehen. Die Busfahrt verlief ganz normal, auch wenn seine ganzen Freunde im Bus saßen, die mich aber zum Glück nicht mehr erkannten. Als ich in das Klassenzimmer der 9m trat und vorgestellt wurde, fiel mir in der hintersten Reihe ein Mädchen auf, das ich kannte. Es war Jenna, Florians Ex-Freundin. Sie bekam tellergroße Augen, als die Lehrerin, Frau Hurler, meinen Namen nannte. Sie war in der Zeit, in der ich noch Kontakt mit Florian hatte, seine Freundin gewesen und konnte mich noch nie leiden.
Aber das war mir egal. Ich wollte wieder nach Wertingen zu meinen Freunden. In der Pause aber passierte das, was alles verändern sollte.
Ich ging hinaus auf den Pausenhof und stellte mich an die Wand der Turnhalle. Plötzlich sah ich Ihn in einer großen Gruppe von Jungs. Er linste immer wieder zu mir. Es hatte sich also schon herumgesprochen, dass ich auf dieser Schule war. Aber ich hörte die ganze Zeit Ausdrücke wie ,,Schlampe“ , aber ich wusste nicht, dass sie an mich gerichtet waren bis auf einmal Jenna vor mir stand und fragte:,,Was laberst du für Scheiße??? Nur wegen DIR hat Flo damals mit mir Schluss gemacht! Das wird dir noch leidtun!!!
Sie schlug mich. Überall hin. Bauch, Kopf, Arme und Beine. Ich konnte mich einfach nicht wehren. Dann wurde ich bewusstlos.
Ich wachte im Krankenzimmer der Schule auf. Mir war in diesem Moment noch nicht bewusst, was passiert war, doch ich wusste, dass es nicht gut gewesen war. Ich lag in eine Wolldecke gehüllt auf der Liege. Ein nasser Waschlappen lag auf meinem Kopf. Mir war ziemlich schlecht und ich hatte Kopfschmerzen. ,,Kein Wunder, wenn sie so auf dich einschlägt“, dachte ich.
Plötzlich bewegte sich etwas neben mir.
,,Wie geht’s dir?“, fragte eine vertraute Stimmte. Ich bewegte meinen Kopf nach rechts und sah ihn. Er hatte sich auch total verändert. Statt Baggy trug er nun Röhrenjeans. Und statt einer Cap trug er auf seinem Kopf eine königsblaue Mütze. Blau war schon immer seine Lieblingsfarbe gewesen. Diese Farbe stand ihm sehr gut...
,,Mein Kopf...“, sagte ich und schlug die Hände vor meinen Kopf. ,,Kommt, wir müssen los, der Bus kommt gleich. Er half mir beim Aufstehen und wir gingen zum Schulausgang. Ich fragte nicht einmal, wieso er sich so rührend u mich kümmerte. Doch als wir im Bus saßen, platze es aus ihm heraus: ,,Es tut mir so leid, wie ich damals mit dir umgegangen bin. Es war so kindisch von mir. Kurz nachdem der Kontakt mit dir vorbei war, fiel mir erst auf, wie toll du wirklich bist. Meine alten Freunde sind für mich die Letzten. Ich bin jetzt anders. Ich verarsche keine Mädchen mehr. Es war der größte Fehler meines Lebens. Ich weiß echt nicht, wie ich das wieder gutmachen kann.“
Ich wusste nicht wieso, aber ich fühle mich so, als ob ich ihn schon jahrelang kennen würde. Es war heftig, wie vertraut wir miteinander umgingen und schon bald kuschelte ich mich an seine Schulter und schlief ein.
Er weckte mich, als wir in Wertingen ankamen. Er fragte, ob ich irgendwas Besonderes haben wolle. Ich wollte einen Latte Macciato. Er ging und kam mit einem großen Latte Macciato mit Karamellsirup. Lecker...
Er hatte vorhin im Bus gesagt, dass ich jetzt erst einmal zu ihm gehen sollte. Ich fragte ihn. Er antwortete: "So kannst du nicht nachhause gehen."
Ich wusste nicht, was er damit meinte aber ich wusste, er meint es ernst. "Du kommst jetzt erst mal mit und bei mir kannst du deine Mam anrufen und sagen, dass du heute bei mir bist."
Als wir bei ihm ankamen, war seine Mam nicht da. Er hielt mir das Telefon hin.
"Hallo Mama, du ich bin von heute bis morgen..."
Er unterbrach mich und flüsterte: "Nein, du bleibst das ganze Wochenende!"
"Okey, mach dir keine Sorgen, ich bin das ganze Wochende bei einem Kumpel. Ich ruf an, wenn mich Papa holen soll."
Alles ging gut, meine Mam hat nichts dazu gesagt, aber sie wollte wisse, bei wem ich war.
War es das, was ich wollte? Ich sollte von ihm aus das ganze Wochende bei ihm bleiben. Ohne Klamotten. Nur, mit der Versicherung, dass ich wusste, dass er mich liebt.
Ich konnte es kaum glauben, dass ich bei ihm saß. Ich hatte immer nur davon geträumt, bei oder neben ihm zu sitzen.
Wir redeten stundenlang über Gott und die Welt.
Plötzlich war es 23 Uhr. Er sagte, er wolle noch schnell runter gehen, eine rauchen.
Ich bekam Angst und sagte: "Hast du vllt was für die Nacht für mich..?"
"Wenn ich wieder zurück bin, gebe ich dir was, versprochen.", sagte er daraufhin und lächelte mich an.
Nachdem er runtergegangen war, setze ich mich auf seine Couch und schrieb meiner besten Freundin eine SMS:
 Marie, ich komme erst Sonntagabend zurück. Frag nicht wo ich bin :) XOXO, Marcie.
Er kam mit einer Flasche Sprite, einem großen Kissen und einer Wolldecke zurück.
"Oh Mist, ich hab die Gläser vergessen", bedauerte er. "Macht doch nichts", antwortete ich mit einem Lächeln auf den Lippen.
Er nahm einen Schluck und gab mir die Flache. Nachdem Ich ein paar Schlücke genommen hatte, war mir bewusst wo ich war. Ich war allein mit dem Jungen meiner Träume.
Ich weinte Freudentränen weil ich es einfach nicht glauben konnte. Er wollte mich trösten und nahm mich in den Arm. Doch ich zog sein Gesicht an meines und küsste ihn.  Es schmeckte prickelnd nach Zitrone.
"Flo, bist du da?", rief eine Stimme von unten. Er stand auf und ging hinunter, um zu schauen, wer ihn rief.
Es war seine Mutter. Er erklärte ihr, wer ich war, was passiert war und wie lang ich bleiben würde. Sie akzeptierte es.
Er kam zurück und wir fingen an zu knutschen. Ich fühle mich ganz schwerelos, wie als ob ich fliegen würde oder einen Joint geraucht hatte.
"Was macht ihr denn da?", schnatterte jemand. Es war seine kleine Schwester, die urplötzlich im Zimmer stand.
"Ich erkläre Marcie gerade, wie man englische Wörter richtig ausspricht", log er und versuchte, nicht zu grinsen.
Sie verschwand und er ging zum Schrank und warf mir eine seiner zu weit gewordenen Boxershorts zu.
Sie passten gerade so. Obenrum hatte ich nur das Top an, das ich unter meinem Pulli anhatte.
Er setze sich neben mich aufs Bett und fing an, mich zu kitzeln.                        
Ich lachte, doch sehr lächelte mich nur an. Er nahm mich in den Arm und wir schliefen zusammengekuschelt ein. Ich träumte davon, zu fliegen. Hand in Hand mit Ihm.
Am nächsten Morgen wusste ich nicht, wo ich war. Ich war erschrocken, als Florian neben mir lag und anfing zu lachen, da ich plötzlich aufschrak weil seine kleine Schwester im Zimmer stand und ihn gefragt hat, ob wir runter kommen wollen weil es Frühstück gäbe.
Seine Mutter machte mir oft Komplimente, wie gut ich aussehen würde und was für einen wundervollen Charakter ich hätte.
Er lächelte nur, doch als seine kleine Schwester ihren Kababecher umstoß, find er lauthals zu lachen an.
Nach dem Frühstück, ließ er mich von mir erzählen. Er wollte alles über mich wissen. Es war wieder, wie in einem Traum, der nie enden würde.
Abends saßen wir nebeneinander gekuschelt auf seiner Couch und schauten Breaking Dawn an, obwohl ich Vampirfilme hasste. Mich berührte besonders eine Stelle.
Es war die Stelle an dem Bellas leben an ihr vorbei zieht. Ich sah ihn an und sagte: "So wird es niemals werden." Er nahm mein Gesicht und sah mich lange an. Ich packte es nicht, wie er mich ansah und küsste ihn. Es war mir nun egal wo ich war und bei wem ich hier saß.
Er nahm mich an der Hüfte und zog mich auf sein Bett. Er nahm mich in den Arm und ich merkte, wie wohl ich mich dort fühlte. Unsere Zungen spielten miteinander. Dann irgendwann mal küsste er mich am Hals. Ich genoss es und spürte, dass ich ihn wollte. Er küsste mich wieder normal und begann mich auszuziehen. Aber im nächsten Moment überlegte ich, ob ich das wirklich wollte. Doch im nächsten Moment war ich mir sicher. Ich zog ihn ebenfalls aus.
Ich fragte: "Hast du Kondome?" Er antwortete darauf: "Ja, in der Schublade."
Ich holte eines heraus und zog es ihm vorsichtig über. Er drang vorsichtig in mich ein und ich genoss es. Es tat kein bisschen weh, so wie ich es mir vorgestellt hatte. Er bewegte sich ganz langsam rauf und runter bis er kam. Als er gekommen war, besorgte er es mir mit der Hand und es fühlte sich gut an. 
Danach legte ich mich auf seinen Arm.
"War es dein erstes Mal?", fragte Jason vorsichtig. Ich nickte und wurde immer müder.
"Wir sollten schlafen", sagte er und gähnte. Wir schliefen Arm in Arm ein.
Am nächsten Morgen ging es mir noch gut. Es klingt vielleicht komisch, doch wir verbrachten den ganzen Vormittag um zu zocken. Call of Duty: MW3. Doch am Nachmittag bekam ich Kopfschmerzen und lies mich von meinem Dad abholen. Meine Eltern waren total besorgt, da ich ziemlich blass war und sofort in meinem Zimmer verschwand. Plötzlich piepte mein Handy. Eine SMS von Jason:
Hallo Mein Engel (:
Das Wochenende mit dir war wunderschön. Ich freu mich schon dich Montag wieder zusehen :))
Kuss, Jason
Ein Lächeln zog über mein Gesicht, trotz den Schmerzen. Ich konnte es nicht glauben. Wir waren zusammen, ich war sein Engel. Ich packte meine Schulsachen zusammen und legte mich schlafen, obwohl es erst am späten Nachmittag war.
Montagmorgen verlief eigentlich ganz normal. Duschen, Haare glätten, Zähne putzen, Anziehen, Schminken, Frühstücken und dann zur Bushaltestelle gehen. Zuerst nach Wertingen und dann nach Meitingen zur Schule. Er war nicht im Bus...
Er wartete am Eingang der Schule auf mich. Er sah mir an, dass es mir nicht gut ging. Ich wollte es ihm gerade erzählen, doch da klingelte es und wir mussten ins Klassenzimmer. Marina, das Mädchen neben dem ich saß, fragte was los sei. Ich antwortete ihr, dass es mir seit gestern nicht gut ginge und dass mir zurzeit ziemlich komisch war. Und insgeheim hoffte ich, dass es nicht von meinem ersten Mal mit Jason kam.
Als es zur Pause klingelte nahm mich Jason an die Hand und ging mit mir zum Eingang der Turnhalle. Er küsste mich und sagte: "Ich sehe doch, dass es meinem Mädchen nicht gut geht... Wenn es dir schlecht geht, dann geht es mir auch schlecht."
"Ich weiß selber nicht, was mit mir los ist...", antwortete ich, da ich es wirklich nicht wusste. Es war wirklich seltsam. Ich bot ihm an, nachmittags zu mir nach Prettelshofen zu kommen. Er nahm es mit Freude an und küsste mich auf die Stirn. Den restlichen Unterricht fing ich öfters zu weinen an. Einfach so, ohne Grund.
Nachmittags schleppte mich meine Mum zum Arzt. Seine Diagnose: Untergewicht und Depressionen. Obwohl ich nichts dafür konnte, schockte es mich und meine Mum. Er sagte: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Depressionen durch den Umzug und das gleichzeitige Reißen aus dem Vertrauen Umfeld stammt." Er empfahl mir, mich die nächsten Tage krankschreiben zulassen und mich zuhause richtig auszuschlafen. Und mich mit meinen Freunden zu treffen.
Als Jason diese Neuigkeiten hörte, nahm er mich in den Arm und sagte: "Alles wird gut, Yussi."
"Jason? Kann ich dir was erzählen? Es mag sich jetzt vielleicht kindisch anhören, aber ich wünsche mir seid ich klein bin ein Baby... Nicht das ich das jetzt sofort will aber..." Er unterbrach mich: "Schatz, ich verstehe dich. Ich kann es mir gut vorstellen mit dir und einem Baby zusammen zu leben. Aber ohne Schulabschluss wird es schwer, danach einen Ausbildungsplatz zu finden..."
"Ja", sagte ich darauf, "ich weiß das. Ich wollte das dir nur einmal sagen... Irgendwie habe ich das nicht einmal meiner besten Freundin damals in Wertingen erzählt..." Ich machte uns daraufhin einen Tee und holte für mich eine Decke, da ich kein Holz mehr im Dachboden hatte.
Einige Zeit verging und dann waren es nur noch 6 Wochen bis zu meinem Abschluss an der Schule. Mit Quali und M10. Mir ging es an diesem Morgen irgendwie komisch. Ich musste mich direkt nach dem Aufstehen übergeben und hatte seit einem halben Monat meine Periode nicht bekommen. Ich erzählte es Jason nicht, da ich Angst vor seiner Reaktion hatte.
Doch er merkte, dass irgendwas mit mir los war. Ich sagte ihm, dass es mir nicht gut ginge und dass er sich keine Sorgen machen braucht. Daheim angekommen, schmiss ich meine Schultasche in die Ecke und klappte meinen Laptop auf, ging auf Google und gab ein: Erste Schwangerschaftsanzeichen:
Übelkeit, morgendliches Erbrechen, ausbleiben der Periode, Stimmungsschwankungen und seltsame Essensgelüste. Ich dachte an mein erstes Mal mit Jason. Es war also doch passiert: Unser Kondom hatte einen kleinen Riss. Ich war geschockt...
Als ich das gelesen hatte, fuhr ich mit dem Bus nach Wertingen und kaufte bei der Apotheke einen Schwangerschaftstest. "Am besten morgens nach dem Aufstehen anwenden, da ist der Test am effektivsten." Okay, also noch einen halben Tag Ungewissheit. Facebook besuchte ich an diesem Tag nur 10 Minuten, da ich nicht von jedem ausgefragt werden wollte, was mit mir los ist. Abends wieder das gleiche Ritual: Anziehsachen rauslegen, Zimmer aufräumen und einen Tee trinken. Danach ging ich ins Bett und hatte irgendwie vor dem Ergebnis des Testes Angst. Und vor der Reaktion von Jason. Bevor ich schlafen ging, stellte ich meinen Wecker 10 Minuten früher als sonst. Ich wollte nicht, dass mich jemand bei dieser "Aktion" erwischt.
Nach einer halb schlaflosen Nacht wachte ich verstrubbelt auf und ging mit dem Test ins Bad. "Testspitze in den Urinstrahl halten und 5 Minuten warten. Zeigt die Ergebnisfläche einen Strich ein, ist der Test negativ (=nicht schwanger), zeigt die Fläche zwei Striche an, dann ist der Test positiv (=schwanger)." So stand es wortwörtlich auf der Verpackung. Gesagt, getan. Nach 2 Minuten zeigte er einen Strich an und nach fünf Minuten immer noch einen. "Okay^^." dachte ich mir und putze mir die Zähne. Ich bekam einen Schock als ich nach dem Zähneputzen auf den Test sah. Er zeigte tatsächlich zwei Striche an. Für diesen Morgen war mir der Appetit vergangen. Trotzdem nahm ich einen Erdnussriegel und eine Banane mit zur Schule.
Jason saß zwar im Bus, doch ich traute mich nicht mit ihm zu reden. Als es zur Pause klingelte, rannte ich zur Toilette, da mir schonwieder übel war und ich mich übergeben musste. Als ich runter spülen wollte, kamen bei meinem Glück gerade die Schulschlampen herein. Nicht das noch. Mich kotze im Moment alles an. Die Schule, Ich selber und diese dummen Mädchen, die denken sie wären etwas Besseres nur weil sie jeden Beschimpfen und jeden hatten. Egal.
Ich spülte herunter und ging in den Vorraum, in dem die Waschbecken standen um mir die Hände zu waschen. Sie schauten mich komisch an aber sagten nichts. Doch als ich die Toilette verließ, hörte ich ein lautes Lachen... Man sah es mir also schon deutlich an, wie es mir im Moment ging... Na toll.
Es war Freitag und Jason kam am Nachmittag zu mir, um bei mir zu übernachten. Als er sich es auf meinem Bett gemütlich gemacht hatte und ich auf meinem großen Schreibtischsessel saß, war ich ziemlich nervös. Ich wusste ja nicht, wie er reagieren würde. Ich versuchte es.
"Schatz, ich muss dir was sagen..." "Was denn, mein Engel?"
"Ich glaube, ich bin schwanger..." Doch Jason verließ den Raum, ohne ein Wort zu sagen. Ich fiel auf den Boden und fing an zu weinen, bis er wieder unerwartet im Raum stand. Ich wischte mir meine Tränen weg und versuchte stark zu bleiben, doch es fiel mir schwer.
Er stand vor mir, mit einer Rose und sagte: "Schatz, wir bekommen das hin. Und mit deinen Eltern reden wir gemeinsam. Schatz, ich finde es toll. Ich war damals leicht irritiert, als du mir gestanden hast, dass du schon immer ein Baby willst. Aber jetzt da du die Mutter meines Kindes wirst, verstehe dich jetzt. Ich möchte dich fragen, ob du für immer mit mir zusammen sein willst. Erst dann ist unser Glück perfekt."
Weinend fiel ich ihm in den Arm.
Während des Abends redeten wir über das ganze Thema, wie es weiterginge und was wir demnächst tun würden.
An diesem chaotischen Abend verdrücke ich mit Jason eine Packung Vanilleeiscreme. Und selber unendlich viele Gummibärchen. Jason hielt mich die ganze Zeit fest im Arm. Als wir nach dem vielem Reden ins Bett gingen, nahm er meine Hände fest in seine und schaute mich an. Ich sah Tränen in seinen Augen. "Scheiße, ich werde Vater...", sagte er und umarmte mich. Er hielt mich die ganze Nacht fest umschlossen. Er wollte mich nicht verlieren...
Doch sein Glück sollte nicht lange halten. Der vorletzte Schultag verlief bis zum Schulschluss ganz normal. Jason war krank. Ich wollte zum Bus gehen, aber ich merkte, dass mir schwindelig wurde. Trotzdem betrat ich den Bus. Der Busfahrer macht einen ziemlich schläfrigen Eindruck aber das kümmerte mich im Moment nicht. Ich ging in die vorletzte Reihe des Busses und setze mich, kramte mein Handy und meine Kopfhörer aus meiner Tasche und hörte Musik. Es dauerte ewig lang, bis der Bus wegfuhr. Hinter mir war eine alte Dame eingestiegen weil sie ihr Busticket bezahlen wollte und ihre Geldbörse in der großen Tasche, die sie bei sich trug, nicht fand. Wir waren schon eine Station vor Prettelshofen als ich ein lautes Schnarchen hörte und mir auffiel, dass der Busfahrer eingeschlafen war. Plötzlich hörte ich ein lautes Krachen, da der Bus gegen ein ihm entgegenkommendes Auto gefahren war. Mich schlug es auf die Seite und der Bus fuhr in den Straßengraben. Ich war mittlerweile im 3. Monat schwanger und hatte Angst. Ich wurde bewusstlos...
Nach circa einer Stunde wachte ich auf und hatte starke Bauchschmerzen. Ich zerschlug mit dem Fensteröffner die Türe und klettere hinaus. Mein Handy hatte meinen Sturz zum Glück überlebt und ich rief den Krankenwagen, die Feuerwehr und meine Eltern an. Ich setzte mich in sicherer Entfernung ins Gras und wurde nach ein paar Minuten bewusstlos. Ich sah noch meine Eltern, die Jason mitgebracht haben und merkte, wie mich jemand aufhob und zum Krankenwagen brachte. "Scheiße, sie muss durchkommen!", hörte ich oft Jason sagen.
Ich wachte im Krankenhaus auf und blickte gleich in das besorgte Gesicht von Jason. Es war dunkel draußen und ich schätze die Uhrzeit auf ein, zwei Uhr nachts. Jason schlug die Hände vor sein Gesicht und schluchzte "Schatz... unser Baby..." Dann bekam ich einen Weinkrampf und eine Krankenschwester musste kommen und mir eine Beruhigungsspritze setzen. Ich musste noch 2 Tage zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben, da ich bei dem Sturz auf eine Kante eines Sitzes gefallen war und einen riesengroßen blauen Fleck auf dem Bauch hatte, der ziemlich wehtat. Mir wurde erklärt, dass ich eine Fehlgeburt durch den Sturz auf meinen Bauch ausgelöst wurde. Es war ein Mädchen...
 Als mich mein Vater am Donnerstag abholte, sah er mich ziemlich besorgt an. Auf der Fahrt nach Hause sprachen wir nicht viel, nur darüber, dass er morgen mein Abschlusszeugnis abholen werde. Zuhause angekommen ging ich sofort in mein Zimmer und wurde nach einer halben Stunde von meiner Mutter gerufen. Vor ihr lag ein Blatt Papier. Ich dachte: "Nein, das kann nicht der Brief vom Krankenhaus sein...“ Sie sagte, dass jetzt schwere Zeiten über uns einbrechen werden. Ich schlug die Hände zusammen und fing an zu weinen. Papa wollte mich beruhigen doch ich rannte so schnell es geht in mein Zimmer und sperrte die Türe zu. Am nächsten Morgen kam ich total verschlafen in die Küche. Sie wollten mit mir reden, aber ich konnte einfach nicht zuhören.
Erst mein Baby und dann das. Ich konnte nicht mehr.
An diesem Tag wollte ich nach der Schule nicht nach Hause. Ich blieb bis zum letzten Bus in Meitingen. Doch als ich an die Bushaltestelle kam, fiel mir ein großer Junge, welcher eine Jogginghose und eine Kapuzenjacke anhatte, auf. Ich setzte mich auf die Wartebank. Er kam und sagte: "Du siehst traurig aus. Ich hab etwas, was sie dich für ein paar Stunden vergessen lässt. Ich schenk es dir.“ Und er legte mir die zirka 5 x 5 große Plastiktüte in die Hände. Er verschwand und ich steckte sie ganz schnell in meinen Rucksack.
Zuhause angekommen ging ich sofort auf mein Zimmer. Mich interessierten die Stimmen aus dem Wohnzimmer nicht.
Rucksack aufs Bett geschmissen, Jogginghose angezogen, Rollladen herunter und meine Lampe angemacht. So sah dieser Abend aus. Doch er sollte noch besser werden.
Als ich den Laptop aufklappte, fiel mir die kleine Tüte wieder ein, welche der seltsame Junge mir in die Hände gelegt hatte. Mein Vater rief meinen Namen, doch ich schrie: "Lasst mich in Ruhe!“ Meine Mutter, die unten im Wohnzimmer saß, fing an zu weinen. Irgendwie tat sie mir schon Leid... Doch ich wollte nichts mehr wissen.
Ich saß auf meinem Bett und dachte nach. Ich erinnerte mich an den Tag, an dem ein paar Leute aus meiner Klasse, mit denen ich befreundet war, sich in den Park in die hinterste Ecke saßen und sich einen Joint drehten. Ich stand nur daneben und schaute zu, wie sich meine Freunde zudröhnten. Ich wollte nicht. Ich war noch nicht so weit. Doch in der letzten Zeit muss ich dafür Reif geworden sein, denn ich reagierte lockerer, wenn meine Freunde sagten, ich solle mit in den Park gehen. Das bewundernswerteste war, dass ich mich an jede Kleinigkeit vom letzten Besuch im Park erinnern kann.
Also setzte ich mich auf und suchte in meinem Rucksack nach diesem kleinen Tütchen.
"Fuck... Ich hab kein Papier...“
Doch plötzlich fiel mir ein, dass ein sehr guter Kumpel von mir in Prettelshofen wohnt. Ich holte mein Handy und schickte ihm eine SMS:
Hey Tobi. Hast du was dagegen, wenn ich vorbeikomme? Ich bring was mit^^
Lg Yussi“
Nach circa einer Minute kam die folgende Antwort:
Stepp her, ich hab den ganzen Abend Zeit^^
Gesagt, getan.
Ich packte das Gras in eine Decke und tat sie in meine Umhängetasche. Ich ging ohne ein Wort zu sagen aus dem Haus. Vielleicht würden sie mich suchen. Aber das war mir wie alles gerade scheiß egal.
Tobi wartete schon auf mich. Als er die Tür aufmachte, war er zuerst verwundert, wieso ich an einem Freitagabend bei ihm vor der Tür stand. Doch nachdem er mich umarmt hatte, erklärte ich ihm, was passiert war.
"Nein... Man, wieso hast du das nicht früher gesagt? Ich versteh dich total... Sorry, dass ich jetzt vom Thema ablenke aber was hast du eigentlich mitgebracht?“
"Achja. Am nächsten Tag war ich nach der Schule den ganzen Tag in Meitingen weil ichs nicht gepackt hab... Zuerst mein Baby und dann meine Mam. Ich saß an der Bushalte als so ein Typ auf mich zukam und sagte, ich würde traurig aussehen. Dann hat er mir das gegeben und hat gesagt, hier das schenke ich dir. Ich zeige ihm das Gras. "Wow, Mädchen, du weißt nicht, was für eine gute Qualität das Dope hier hat!“
"Nö.“
"Also willst du doch...?“
"Sicher. Wenn ichs nicht wollte, wieso bin ich dann bei dir?“
"Ja, okey, ich hol kurz was. Er ging an seinen Schrank und holte eine grüne, fast schon neongrüne Bong heraus. Mich beeindruckte die Farbe. Doch Tobi war etwas anderes wichtig. Er wollte wissen, ob ich schon einmal geraucht habe. "Nein, noch nicht.“ "Egal. Wir machen das hier trotzdem. Ich erklärs dir und du machst was ich sage okay?“ "Okay, geht klar.“
Er legte circa 1 Gramm vom Gras in den Kopf der Bong und sagte: "Nimm das Rohr in die Hand und beug deinen Kopf nach vorne. Siehst du das Loch in dem Rohr? Du musst deine Lippen reintun. Ich zünde es jetzt an und du wartest bis ich aufhöre. Wenn ich aufhöre, dann hebe ich das Schillum und du ziehst den ganzen Rauch rein okay?“
Gesagt getan. Ich zog den Rauch sein und spürte etwas unglaublich Tolles. Ich schwebte in meiner eigenen Welt. Tobi hatte mittlerweile Rainbow Warrior von Martin Jondo aufgelegt und mich in meinem Trip dazu bewegt, mich auf die Couch zu legen. Ich hatte nur zwei Züge gehabt doch ich schwebte auf einer kleinen aber wahnsinnig flauschigen Wolke. Ich fühlte mich wahnsinnig müde, aber ich habe doch noch alles wahrgenommen. Tobi hatte sich zu mir auf die Couch gelegt und umarmte mich.
Plötzlich bekam ich einen totalen Lachflash weil an der Wand ein Fleck war, der komisch aussah. Tobi sah mir in die Augen und fing danach auch an zu lachen.
Nach gefühlten 12 Stunden schlich ich aus dem Haus und ging nach Hause. Ich schloss so leise ich konnte die Tür auf, doch meine Eltern bemerkten trotzdem, dass ich wieder da war und passten mich direkt vor der Türe ab.
"Wo warst du?? ", brüllten sie als sie mich total müde sahen. "Ich war bei nem Kumpel... Macht doch nicht gleich so nen Aufstand. ", lallte ich. Nun sagten sie nichts mehr und schauten mir nur noch dumm hinterher als ich in mein Zimmer hoch schlurfte.
Ich hatte Glück, dass der nächste Tag ein Samstag war. Ich schlief bis 15 Uhr. Ich hatte noch nie die Weckrufe meiner Eltern ignoriert, aber an diesem Tag wachte ich nicht auf. Seltsam...
Das Gefühl auf einer Wolke zu schweben hielt eine Woche. Danach wollte ich mehr...
Ich sprach Tobi direkt auf dem Pausenhof an und sagte: "Tobi, Samstag war echt geil... Kannst du mir vielleicht was besorgen?“
"Sicher, Kleine^^. Hast du heut Abend sturmfrei?“
"Ja. Ich bring gleich das grüne Monster mit okay? Bis heute Abend.“
Die nächsten Wochen verbrachte ich fast nur bei Tobi. Meine Eltern bemerkten schon was mit mir los war, aber ich denke, sie interessierte es einfach nicht, weil sie einfach zu viel zu tun hatte. Doch an diesem Abend passierte etwas Schlimmes.
Ich war bei Tobi, er hatte wieder eine sehr gute Mischung gemacht. Doch diesmal fühlte ich mich nicht wie auf einer Wolke. Ich verkrampfte. Ich dachte, ich sterbe. Nach Tobis Aussagen war ich leichenblass. Dann kippte ich um.
Ich wachte im Krankenhaus auf. Eine Nadel steckte in meinem Handrücken und durch den Schlauch tropfte eine klare Flüssigkeit in meine Ader. Ich hatte einen Schlauch in der Nase, weil ich, als ich Bewusstlos was, nicht geatmet hatte. Als ich später aufwachte, erklärte man mir, dass ich eine Überdosis THC hatte und deswegen einen Herzstillstand hatte. Ich war geschockt. Das veranlasste mich, mit dem Kiffen aufzuhören.
Ein paar Monate nach diesem Vorfall kam ich ganz happy nachhause. Florian wollte mich am Nachmittag besuchen und ich freute mich darauf. Unsere Beziehung hatte sich in den letzten Monaten wesentlich gefestigt. Ich gehörte zu seiner Familie und er gehörte zu meiner Familie.
 Ich fühlte mich seit langer Zeit wieder komisch. So richtig komisch. Nachdem ich den Flur betrat, roch ich, dass meine Mam Kartoffeln kochte. Dieser Geruch stieg mir in die Nase und mir wurde augenblicklich schlecht. So schlecht, dass ich in unser Gästebad stürmte und mich übergab. Meine Mam rannte so schnell es ging in das Bad und fragte, was los sei. Ich konnte nichts sagen und fing an zu weinen. Sie schickte mich in mein Zimmer und kam ein paar Minuten später mit Kamillentee und Zwieback.
Florian kümmerte sich an diesem Nachmittag rührend um mich und bestand sogar darauf, morgen mit mir zum Arzt zu gehen.
Im Wartezimmer war mir schon etwas mulmig doch ich unterdrückte dieses Gefühl und schmiegte mich an Florians Schulter.
"Also Justine, so wie es aussieht, steht ihnen ein freudiges Ereignis bevor.“
Diesen Satz sagte der Arzt, bevor ich erfuhr, dass ich wieder schwanger war :)

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